Die Europäische Union steht erneut vor strategischen Weichenstellungen. In ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union am 16. September 2026 hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die politischen Prioritäten für das kommende Jahr vorgestellt. Im Mittelpunkt steht das Ziel, Europa wirtschaftlich wettbewerbsfähiger, sicherheitspolitisch unabhängiger und widerstandsfähiger zu machen. Für Unternehmen und Verbände zeichnen sich damit wichtige Anpassungen in zahlreichen Politikfeldern ab.
Für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bleibt ein Schwerpunkt die Vollendung des europäischen Binnenmarktes. Mit der Initiative „Ein Europa, ein Markt“ verfolgt die Kommission das Ziel, den Binnenmarkt bis Ende 2028 umfassend zu vollenden und Hindernisse für grenzüberschreitende Geschäftstätigkeit abzubauen. Dazu gehören Maßnahmen gegen territoriale Lieferbeschränkungen, schnellere Genehmigungsverfahren und Vereinfachungen im Banken- und Verkehrssektor. Ein Pakt gegen sogenanntes Gold-Plating soll verhindern, dass Mitgliedstaaten europäische Vorgaben durch zusätzliche nationale Anforderungen verschärfen.
Auch eine bessere Versorgung mit kritischen Rohstoffen und die Diversifizierung internationaler Lieferketten stehen auf der Agenda. Mit dem Paket „DiversifyEU“ und einer „Europäischen Gesellschaft für kritische Rohstoffe“ sollen strategische Abhängigkeiten reduziert werden. Eine intensivere Nutzung der künstlichen Intelligenz soll ebenfalls zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Konkret plant die Kommission die Entwicklung wegweisender KI-Initiativen in fünf Wirtschaftsbereichen, einen Austausch mit Pionierlaboren sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Vereinigten Königreich und Kanada.
In der Klimapolitik will die EU Kurs halten
An den ursprünglichen Zielen ihrer Klimapolitik will die EU festhalten, doch soll die Klimapolitik stärker mit wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel verbunden werden. Die Kommission plant u. a. einen neuen Rahmen für Klimaresilienz sowie eine Allianz für Klimaversicherungen, um durch den Klimawandel besonders gefährdete Gebiete zu unterstützen. Ein europäischer Hitzewellenplan und eine Wasserinitiative sollen die Mitgliedstaaten besser auf zunehmende Klimarisiken und Wasserknappheit vorbereiten. Für die Wirtschaft bleibt dabei entscheidend, wie Klimaziele, Investitionsbedingungen und internationale Wettbewerbsfähigkeit miteinander in Einklang gebracht werden.
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